Wein, Kunst und außergewöhnliche Architektur prägen die neue Vinothek des Weinguts Klaus Zimmerling in Pillnitz. Wir durften als beteiligter Handwerksbetrieb an einem Projekt mitarbeiten, an dem jedes Detail zählt und unsere Haustechnik am Ende genau dann gelungen ist, wenn man sie nicht sieht. Ein besonderes Projekt, das zeigt, was entsteht, wenn Bauherrschaft, Künstlerin, Architekt und Handwerker gemeinsam an einer Idee arbeiten.
Klaus Zimmerling – Der Neubau
Für mich war unsere neue Vinothek nie ein einfacher, zusätzlicher Verkaufsraum. Hier treffen sich Weinprobe, Kunst, die fantastische Umgebung unseres Weinbergs und Gastlichkeit. Ihre Architektur erinnert an die Geschichte der königlichen Weinberge in Pillnitz und erfüllt zugleich die heutigen Anforderungen unseres modernen Betriebs.
Die tatsächliche Größe und Bedeutung wurde uns so richtig bewusst, als die Baugrube ausgehoben war. Das war aber kein „Oh je“, eher ein demütiges Innehalten beim Spürbarwerden der Verantwortung – einer Verantwortung, die sich aus der geschichtlichen Dimension und dem wirtschaftlichen Gewicht unseres Vorhabens ergibt. Wir wollten schließlich architektonisch, handwerklich, kulturell und geschichtlich etwas ganz Besonderes – etwas sehr Authentisches schaffen.
Wenn wir heute ein paar Schritte zurücktreten und mit etwas Abstand auf unseren Weinberg schauen, sind wir stolz darauf, dass es uns gelungen ist. Nichts wirkt wie eine Kulisse, alles wirkt, als wäre es aus der Zeit gefallen, und vielleicht könnte Friedrich August der Gerechte heute, bei schönem Wetter, hierherkommen, um etwas zu entspannen.
Besucher stehen immer wieder vor dem Gebäude und rätseln: Ist es ein schön restauriertes historisches Gebäude? Oder tatsächlich ein Neubau? Oft kommen sie selbst nicht darauf, und wir lösen das Rätsel auf. Das sind schöne Momente für uns.
Klaus Zimmerling – Der Wein
Wenn ich über unseren Wein spreche, beginnt meine Geschichte nicht hier in der Vinothek, sondern bei den Reben, draußen im Berg. Der Wein im Glas ist das sichtbare Ergebnis eines langen Arbeitsjahres. Rebschnitt und Laubarbeit richten sich nach Lage, Witterung, Reife und dem Zustand der Reben. Nach der Lese folgen das Keltern, die Kellerarbeit und viele weitere Entscheidungen bis hin zur Abfüllung. Unser Wein ist eine Symbiose aus Rebenkultur, Lage, Boden, der Kunst von Małgorzata, meiner Arbeit und der Arbeit unserer fleißigen Helfer. Er will unverwechselbar sein. Das ist der Grund, weshalb wir keine Trauben zukaufen. Alles in der Flasche und im Glas sind wir.
Ich suche nicht nach Zertifikaten oder Prädikaten. Wenn es unser Wein und wir verdient haben, werden sie uns finden. Wir bleiben uns treu. Zusätze, die in der Natur nichts zu suchen haben, finden auch bei uns keinen Platz. So wurden wir bio-zertifiziert und gehören bereits seit 2010 zu den rund 200 Weingütern, die Mitglied im VDP, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter, sind. Zum Vergleich: In Deutschland sind über 14.000 landwirtschaftliche Betriebe mit Rebflächen registriert. Der kleine Kreis der VDP-Mitglieder steht für äußerst hohe, selbst gesetzte Standards sowie für Weine, bei denen Herkunft und Lage im Mittelpunkt stehen.
Aber ich romantisiere mein Handwerk nicht. Das Wetter bleibt ein Risiko. Auch die Politik beeinflusst unseren Erfolg. 2024 kostete uns ein besonders früher Frost einen vollständigen Jahrgang. Meine Haltung zu den Risiken ist einfach: Das Wetter ist da und die Politik ist da. Punkt. Mehr nicht. Das war schon immer so. Wir arbeiten damit. Zum Weinbauernhandwerk gehört für mich, genau zu beobachten, Entscheidungen zu treffen und mit den vorhandenen Bedingungen zu arbeiten.
Małgorzata Chodakowska – Die Kunst
Für mich bilden unsere Weinberge, die neue Vinothek und meine Kunst einen gemeinsamen Raum. Architektur, Licht, Wasser, Landschaft, die Blickachsen treten mit meinen Skulpturen in einen Dialog. Meine Figuren stehen im Gebäude, im Garten und an den Übergängen zum Weinberg. Sie sind kein nachträglicher Schmuck, sondern prägen den Charakter des Ortes. Unsere Gäste treten hier hinein und werden Teil des Ganzen. Aus allem, der Arbeit von Klaus und unseren fleißigen Helfern, meiner Kunst, der Ruhe des Ortes und den ganz eigenen Gedanken unserer Gäste, entsteht das Besondere dieses Ortes. Es ist einzigartig und es ist sehr schön.
Dem Wasser gilt unsere besondere Wertschätzung, die für jeden spür- und erlebbar wird. Wir sind ihm sehr dankbar. Es macht alles möglich, genauso, wie ohne Wasser alles unmöglich wäre. Meine Brunnen-Skulpturen lassen das spürbar werden.
Zum Beispiel wird der Engel auf der Dachspitze unserer Vinothek lebendig, wenn sich seine Flügel aus Wasser formen. Die Brunnen Carmen, Traumreise und Primavera II lassen ihre eigenen Geschichten entstehen. Bei allen ist das Wasser nicht bloß ein funktionales, sondern ein wichtiges künstlerisches und gestalterisches Element.
Ich arbeite mit Holz, Bronze und Wasser. Hieraus entstehen menschliche Figuren, deren Haltung, Bewegung und Oberflächen den Räumen und den Betrachtern Ruhe und Präsenz geben. Ihre Größe lädt den Betrachter ein, sich zu beteiligen. Niemand steht hier zufällig. Auch der Betrachter selbst nicht. Alles spielt zusammen. Mit dem Raum, der Blickachse, der Natur, den Klängen, den Geräuschen und der Perspektive.
Meine Skulpturen verraten den Prozess ihrer Entstehung nicht. Zum Beispiel das Finden des geeigneten Holzes, bei dem Klaus mich sehr unterstützt. Er bereitet die Rohlinge vor und bringt dabei oft seine Gedanken mit ein. Ich nehme seine Impulse gern in meine künstlerische Perspektive und in meine Gedanken darüber auf, welche Figur aus dem Material entstehen kann. Die fertigen Figuren, ihr Ort und die räumliche Tiefe erzählen ihre Geschichten selbst. Beim Betrachten entsteht daraus für jeden eine ganz persönliche Vorstellung. Und so ist jede Geschichte ganz intim. Sie vermittelt Ruhe, ist positiv, wirkt inspirierend und bleibt erinnerbar.
Auch die Lavendel-Treppe gehört zu dieser Komposition. Sie verbindet den Weinberg optisch mit dem Gebäude. Durch die fast kreisrunde Tür der Galerie öffnet sich der Blick auf den Skulpturengarten, Lavendel und Reben. So entsteht kein abgeschlossener Ausstellungsraum, sondern ein Zusammenspiel aus Figuren, Architektur, Natur und räumlicher Tiefe.
Frank Gröschel – Die Haustechnik
Wenn man heute durch die Vinothek und die Galerie geht, fällt auf, was nicht auffällt. Es ist die Haustechnik. Also die Technik, die Wasser und Wärme zur richtigen Stelle bringt und das Abwasser natürlich dorthin, wo es hingehört. Genau so war es gedacht. Alles Technische tritt zurück und gibt der Architektur, der Einrichtung und den künstlerischen Elementen uneingeschränkt ihren Vortritt. Da, wo es nicht vollständig zu verstecken ist, wie in der Küche oder im Bereich der Toiletten, wird es erwartet. Es stört dort also nicht. Aber auch in den Räumen der Toiletten wird die Technik fast zur Nebensache. Dank der gestalterischen Kreativität von Małgorzata Chodakowska.
Für uns bei Gröschel war genau das eine spannende Aufgabe. Die Technik muss zuverlässig funktionieren und dabei möglichst konsequent unsichtbar bleiben. Keine Heizkörper, die plötzlich neben einer Skulptur auftauchen. Keine Leitungen, die den Blick stören. Auch die Abgasanlage der Brennwertheizung durfte im Außenbereich nicht wie nachträglich angesetzte Technik wirken. Die Aufgabe war also, dafür zu sorgen, dass alles hinter Wänden, Flächen und Bauteilen verschwindet. Natürlich ohne die spätere Wartungs- und Servicemöglichkeit zu behindern.
Schon bei den ersten Gesprächen wurde klar, dass hier nichts nach dem üblichen Schema laufen kann. Es gab die Skulpturen, die Baumaterialien, die runde Form des Gebäudes und die vielen architektonisch besonderen Details, die uns herausgefordert haben. Deshalb saßen wir bereits früh mit dem verantwortlichen Architekten Andreas Weise aus Dresden, Klaus Zimmerling und Małgorzata Chodakowska am Tisch.
Unsere Aufgaben waren die Fachplanung und Installation der kompletten Wasser- und Wärmeversorgung.
Für das Projekt haben wir ganz bewusst ein Team aus erfahrenen und jüngeren Mitarbeitern zusammengestellt. Meinen Mitarbeitern sagte ich: „Das hier machen wir im Leben wahrscheinlich nur ein einziges Mal.“ Die Aufgabe hat bei uns Respekt und Motivation ausgelöst. Im Rückblick ist mir besonders geblieben, wie sehr sich dieser Anspruch auf alle übertragen hat. Es hat Spaß gemacht, vor allem, weil zu sehen war, wie alle ihr Bestes geben wollte und das auch getan haben.
Auf dieser Baustelle haben wir mehr als sonst gespürt, wie stark ein Gewerk vom anderen abhängt und wie wichtig die Abstimmung mit der Bauherrschaft ist. Bodenfliesen wurden nicht einfach verlegt. Muster wurden vorgelegt, verändert und neu ausgerichtet. Rund um den Kamin entstand ein Bogen aus von Hand gehauenem Sandstein, der gleichzeitig dem Radius des Gebäudes folgen musste.
Solche Details wirken später ganz selbstverständlich. Während des Baus bedeuten sie aber, dass alle genau hinschauen müssen. Wenn sich an einer Stelle etwas verändert, betrifft das schnell auch die Arbeit daneben. Für uns hieß das, Leitungswege prüfen, Details noch einmal abstimmen und manchmal neu denken. Gerade das ist uns von der Baustelle in Erinnerung geblieben. Niemand arbeitete einfach nur seinen Teil ab. Steinmetze, Fliesenleger, Architekt, Künstlerin, Bauherr und wir Haustechniker hatten am Ende denselben Raum vor Augen. Vieles davon sieht man heute nicht mehr als einzelne Arbeit. Man sieht nur, dass es zusammenpasst.
Wenn man am Ende nur das Ergebnis sieht
Seit der Eröffnung kommen die Gäste zum Weinprobieren und Weinkaufen in die Vinothek, zu Kunstnachmittagen oder zu Abenden mit klassischer Musik. Sie sehen den Weinberg, begegnen den Skulpturen im Gebäude und im Garten und erleben einen bezaubernden Ort.
Für uns ist dabei fast das schönste Kompliment, wenn niemand über die Haustechnik spricht. Die Räume sind angenehm temperiert. Wasser ist da, wo es gebraucht wird. Küche und Sanitärbereiche funktionieren. Mehr Aufmerksamkeit braucht unsere Arbeit an dieser Stelle nicht.
Denn bei diesem Projekt ging es nie darum, Technik zu zeigen. Es ging darum, sie so gut in das Gebäude einzubauen, dass Wein, Kunst und Architektur ihren Platz behalten. Wenn man heute durch die Vinothek geht und darüber gar nicht nachdenkt, hat unsere Arbeit genau das erreicht, was sie erreichen sollte.
Hier erfahren Sie mehr über das – Weingut Klaus Zimmerling
Hier erfahren Sie mehr über die Künstlerin – Małgorzata Chodakowska
Am besten besuchen Sie das Weingut Klaus Zimmerling am Fuß der königlichen Weinberge in Pillnitz selbst: Genießen Sie diesen besonderen Ort und seine Weine, lassen Sie sich von der Kunst Małgorzata Chodakowskas verzaubern – und gehen Sie ganz nebenbei auf die Suche nach unserer verborgenen Haustechnik. Einen kleinen Vorgeschmack bekommen Sie schon hier in dieser kleinen Galerie:












